50 Jahre Deutsche-Indische Gesellschaft e.V.

 

Zweiggesellschaft Bonn-Köln

Die 1964 gegründete Zweiggesellschaft Bonn-Köln erschien in ihrer Gründungsphase vielen, im Vergleich zu anderen Zweiggesellschaften, als ‚elitär‘. Das war v.a. durch die Lage in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn und durch die große Nähe zu bundespolitischen und bi-lateralen Institutionen begründet. Auch waren über lange Zeiträume bekannte Politiker, wie beispielsweise der damalige Erste Vorsitzende, Alexander Werth, der Referatsleiter im Auswärtigen Amt bzw. Referent in der Indienabteilung des früheren Reichsaußenministeriums gewesen war, im Vorstand aktiv. In den Anfangsjahren fanden nur wenige offizielle Veranstaltungen statt, die überwiegend politisch ausgerichtet waren, etwa Vorträge über Mahatma Gandhi und Subash Chandra Bose oder über die junge indische Demokratie. Daneben gab es noch vereinzelt Filmabende. Mitte der 1970er Jahre belebte Heinz Niedrig die Zweiggesellschaft neu. Schnell zeigten frühere Mitglieder ihr Interesse an den verschiedenen Aktivitäten. Die DIG Bonn-Köln konnte sich so rasch in der Kulturlandschaft der Bundeshauptstadt als feste Größe etablieren. Mit dazu beigetragen haben sicherlich auch die stark in der Bundespolitik verankerten Vorsitzenden, darunter bekannte Bundestagsabgeordnete, wie etwa Werner Marx (1977-1979) und Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein (1979-1982). Ihnen zur Seite standen im Vorstand Jürgen Ernst und indische Wissenschaftler, wie etwa Dr. Amaresh Gupta und Dr. Chandra Jha. Es wurden enge Kontakte zur Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe, zur Indischen Botschaft, zur Deutsch-Indischen Handelskammer in Düsseldorf, zur Indisch-Deutschen Gesellschaft in Indien, zum Tagore-Institut in Bonn-Bad Godesberg und insbesondere zur Indo-German Cultural Association (IGCA) in Bonn, die 1980 völlig in der Zweiggesellschaft aufging, geknüpft. So erinnern sich viele Mitglieder gerne an zahlreiche Einladungen und Empfänge der Indischen Botschaft, unter den indischen Botschaftern A M. Kusro und A. Madhvan. Auch mit dem Indischen Kulturzentrum unter der Leitung von Usha Malik, das von 1984 bis 1987 versuchsweise in Bonn eingerichtet war, gab es viele gemeinsame Veranstaltungen. Ab 1985 übernahm Klaus Kübler den Vorsitz, Stellvertreterin war Michaela Geiger bzw. Peter Höffkes. 1988 traten Georg Schlaga und Tarun Bhattacharya in den Vorstand ein. Ende der 1980er Jahre wurde auch das Engagement in Köln wieder verstärkt. Ab 1987 fanden viele Veranstaltungen im Caritas-Zentrum Köln statt, andere im Tobiashaus oder im Belgischen Haus. Diese gingen v.a. auf die Initiative der Vorstandsmitglieder Megh Nath Sur, Claudia Parmar und dem Ehepaar Oomen aus. Daneben gab es regelmäßige Programmpunkte, wie der gemeinsam mit der indischen Botschaft in Bonn begangene Indische Nationalfeiertag am 26. Januar. Auch fanden jährlich ein bis zwei klassische indische Tanz- und Musikabende mit Künstlern von internationalem Rang statt, in Bonn häufig mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes der Stadt. Vorträge zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen mit Blick auf Indien wie auch philosophisch-religiöse und medizinische Themen gehörten zum regelmäßigen Programm. In Autorenlesungen wurden bekannte indische Schriftsteller und Dichter vorgestellt und indische Filme, teilweise in Zusammenarbeit mit der Bonner Kinemathek, vorgeführt. Das bunte Spektrum, mit der sich die DIG Bonn-Köln um die Begegnung von Deutschen mit Indern sowie um die Vermittlung der reichen Kultur des indischen Subkontinents in der Bundeshauptstadt bemühte, wurde durch verschiedene Foto- und Gemäldeausstellungen zu indischen Themen abgerundet. Die DIG Bonn-Köln war bis zur Übersiedlung des Deutschen Bundestags und der Regierung nach Berlin weiter stark mit dem politischen Bonn und damit auch der Indischen Botschaft verbunden - bis 2010 waren unter den Vorsitzenden stets Bundestagsabgeordnete, wie K. Kübler, A. Köster-Lossack und Josef Winkler. Auch der jetzige Vorsitzende, Günther Koenig, kommt als Botschafter i. R. aus dem politischen Bereich. Neben dem Engagement in Bonn nehmen in den letzten Jahren auch die Aktivitäten in Köln deutlich zu, v.a. seit der Einführung der einmal jährlich stattfindenden ‚Kölner Indienwoche‘ im Jahr 2009 und dem inzwischen auch jährlich stattfindenden ‚Indientag‘ im Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde. Dabei wird in Köln wie auch in Bonn verstärkt mit anderen indischen Kulturvereinen wie Indian Association Bonn, Bharat Samiti und Kerala Samajam kooperiert. Das Angebot in Köln umfasst u.a. Besuche in Hindu- und Sikh-Tempeln mit Vorträgen über die jeweilige Religion, Tanz- und Musikdarbietungen bzw. -workshops, indische Kinoabende, Kunstausstellungen indischer Künstler oder indische Kochkurse. Das politische und soziale Leben Indiens wird durch Vorträge und Diskussionsveranstaltungen ausführlich beleuchtet und die Jugend, hier v.a. die sog. zweite und dritte Generation, stark mit einbezogen. Mit knapp 200 Mitgliedern zählt die DIG Bonn-Köln zu den zahlenstärksten Zweiggesellschaften in Deutschland und gewinnt insbesondere durch das zunehmende Engagement von jungen Mitgliedern deutlich an Attraktivität. Das Interesse an dem Angebot der Deutsch-Indischen Gesellschaft stößt so im Köln-Bonner Raum weiterhin auf ungebrochenes Interesse, so dass die DIG Bonn-Köln voll Zuversicht in die Zukunft blickt.

Heinz Niedrig, Jürgen Ernst und Tobias Grote-Beverborg